Iris Fritz, BA. pth.


 

 

Es sich gemütlich machen…

Es sich gemütlich machen…

Seit meinem letzten Beitrag ist bereits ein wenig Zeit verstrichen. In dieser Zeit hatte ich auch viel zu tun und musste mich um Erledigungen kümmern. Ja, in unserer schnellen Zeit wird man immer wieder mal in Stress geraten und dann freut man sich doch auf ein gemütliches Zuhause…oder? Ja und nein, würde ich sagen. Was verstehen wir denn unter einem gemütlichen Zuhause? Gerade jetzt zur Weihnachtszeit habe ich das Gefühl, dass ein Zuhause, das nicht reich geschmückt und hell erleuchtet ist, schnell als trostlos wahrgenommen wird. Aber warum? Wenn man den Geruch von frischen Keksen nicht schon in der nächsten Straße wahrnimmt, heißt es dann, dass man ein lieb- und freudloses Haus betritt? Natürlich ist ein schön gestaltetes Umfeld oft eine Wohltat für die Seele, aber irgendwer muss auch die Zeit finden, es zu gestalten. Und nicht selten ist es zu viel des Guten…und man fühlt sich erdrückt. Sowohl die Betrachtet als auch die Gestalter – wenn sie sich das eingestehen. Wie komm ich zu diesem Schluss?

Nun ganz einfach: auch ich, die in letzter Zeit ein wenig Stress hatte, entkam dem Wahnsinn nicht. Ich muss noch klar stellen: Ich sehe mich gar nicht gern als gestresste Person und wenn mein Terminkalender manchmal am Platzen ist, würde ich am liebsten Seiten ausreißen, um der Illusion der Ruhe zu erliegen. Aber manchmal gibt es bei jeden Menschen Zeiten, in denen ein Termin den nächsten jagt – bei anderen ist dies sogar ein Lebensstil. Also was tat ich, um dieser stressigen Phase zu entkommen? Bitte lachen Sie nicht, denn der Widerspruch war mir anfangs nicht bewusst: Ich beschloss dieses Jahr daheim ein „Weihnachts-Wunder-Land“ zu gestalten! Und nicht erst im Dezember! Ich musste hierfür schon im November beginnen, denn mit dem Ersten Dezember sollte mein Zuhause in Lichtern erstrahlen, der Stil für meinen Weihnachtsbaum bereits gewählt sein und der passende Schmuck hierfür gekauft sein. Ich wollte ernsthaft, dass man mein Zuhause betritt und sich wie in einem kitschigen Weihnachtsfilm fühlt. Jetzt ist das wohlgemerkt nicht wirklich mein Stil. Nicht falsch verstehen: ich mag es, wenn etwas schön gestaltet ist. Tausende von blinkenden Lichtern und Weihnachtsmänner, die einen bei der Eingangstür erschlagen, gehören nicht dazu – normalerweise. Also wie kam es zu meiner Zielsetzung? Als ich dann näher darüber nachdachte, musste ich mir Folgendes gestehen: Auch ich würde dem „Dekowahn“ verfallen, nur um mir so die Illusion zu erschaffen, dass mein Leben einem Spielplatz gleicht. Der Widerspruch zwischen der Anstrengung bis ersten Dezember alles mit Kitsch zu überladen und dem Wunsch nach ein bisschen mehr Ruhe wurde mir erst bewusst als ich schon mitten drinnen war. Jaja…unsere Psyche spielt uns nur allzu gerne einen Streich. Anstatt wahre Gelassenheit erzeugen wir uns die Illusion von einer heilen Welt. Natürlich ist die Adventszeit in unserer Kultur ohnehin eine Zeit der Widersprüche: die besinnliche Zeit sollte sie sein. Doch ist es die Zeit, in der man überladen wird von Werbungen für Geschenken, Organisationen für den Heiligen Abend und unzählige „Pflichtbesuche“ bei den Verwandten und Freunden in den Feiertagen. Das ist die Weihnachtszeit…aber im Rest des Jahres?

Ich frage mich, was die perfekte Hausfrau oder der perfekte Hausmann, bei denen man jederzeit sogar vom Boden essen könnte, sonst noch so alles wegputzen muss? Und sind es in den Märchen nicht die verlockend aussehenden Lebkuchenhäuser, die die Gefahr und das Hässliche verbergen? Der rote Teil des Apfels war es, der Schneewittchen fast das Leben kostetet und hinter den strahlenden Lichtern der reich dekorierten Einkaufshallen stecken selten freundliche Geschäftsmänner von neben an. Versteht mich nicht falsch – ich liebe ein Heim, in dem es sauber und gemütlich ist. Zu Weihnachten genieße auch ich den Duft nach Zimt und den Geruch vom Weihnachtsbaum. Ja, auch die Lichter in den Fenstern sind schön – und jede Person, die sich Zeit nimmt um ein paar dunkle Ecken schön gestaltet, tut sich und auch denen, die es genießen dürfen, etwas Gutes. Aber die typischen Vorstadthäuser aus den amerikanischen Sitcoms, die mit ihrer Beleuchtugn Flugzeuglandebahnen Konkurrenz machen? Ist das Weihnachten? Und im restlichen Jahr: Ist der Porsche vom netten Nachbarn, den er beiläufig in JEDEM Gespräch erwähnt Wohlstand? Manchmal denke ich, um so größer das „Unschöne“ im Zuhause ist oder gar in der Seele, umso mehr Lichter braucht man, um es zu verbergen.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer ein Gefühl der Minderwertigkeit erleben, werden versuchen es zu kompensieren. Das ist bis zu einem gewissen Punkt auch ok. Solange man, ohne die Maske von Wohlstand, Schmuck oder Lichtern sein Gesicht trotzdem noch mag. Denn die viel klügere Lösung wäre es, nachzudenken. Zu reflektieren, worin man Erfüllung findet und was einem eher behindert…und letztendlich, etwas gegen diese Hindernisse zu tun. Ich bin nach meiner gründlichen Reflexion vom Dekowahn abgekommen, habe einige Termine in meinem Kalender gestrichen, mir einen großen Kakao gemacht und mein Lieblingsbuch ein weiteres Mal gelesen. Es ist wichtig, sich wieder finden zu können – dann ist es nicht schlimm, sich mal in den Lichtern zu verirren.